Hundeliebe · Lifestyle

1 Jahr ohne Dich

Am Abend des 10. Augustes 2021 fing ich an diesen Text zu schreiben, ich wollte mich erinnern an deinen Abschied, deine letzten Stunden, haargenau bis ins kleinste Detail. Ich hatte das Bedürfnis alles aufzuschreiben, und fast 1 Jahr später sitze ich hier und lese meinen eigenen Worte. Nicht nur mit Tränen in den Augen, sondern einem gebrochenen Herzen…

unbegreiflich,unfassbar.

Heute vor 1 Tag war die Welt noch in Ordnung. So schien es..

Mir fällt es so schwer diese Zeilen zu schreiben. Unausweichlich stand fest, das du, mein geliebter Seelenhund, uns irgendwann verlassen würdest. Doch nun ist nichts mehr wie es einmal gewesen ist..

Seit Tagen hattest du schlecht gefressen, wir mussten die das Futter mit der Hand oder dem Löffel geben. Die Gassirunden wurden kürzer, oftmals ginsgt du nur noch wenige Meter. Dir war anzumerken, dass du ein alter Opa ist. Doch dir ging es dem Alter entsprechend gut. Wenn ich auf dein Alter angesprochen wurde, sprach ich immer von den “kleinen Baustellen” und der Tatsache, dass du sonst aber noch ganz fit seist..

Montagmorgen schien alles wie immer. Wir zwei gingen unsere Meter die Straße hinauf während Bella im Bett lag und ein Hörspiel hörte. Ein kleines Ritual in den vergangenen Wochen. Nur am Wochenende ging sie gemeinsam mit uns schon Morgens raus. Es sollte unsere letzte Runde sein. Beim letzten Leckerlie am Morgen schienst du bereits erste Probleme zu haben, dein Vorderpfötchen knickte weg und auch deine Atmung klang ein , zweimal angestrengt. .

I

n meiner Pause auf Arbeit dann die tränenerstickte Stimme des Herrchens, du hättest Kreislaufprobleme. Wärst beim abduschen kurz weggeknickt. Ich machte mir Sorgen, denn ich hatte Herrchen noch nie mit dieser Stimme sprechen gehört. Kurz danach erhielt ich Gott sei Dank die Information dass wir dein neues Medikament erst mal pausieren sollten und es dir scheinbar wieder besser ging..

Abends kam ich nach Hause, du erwartest mich mit wedelndem Schwanz, wie immer in den vergangenen 5 Jahren. Du schienst dich wieder gefangen zu haben. Ich brachte unsere Bella ins Bett und währenddessen ging Papa mit dir raus. Eigentlich gehörte diese letzte Runde des Tages uns beiden. So ist es seit Wochen und Monaten gewesen. Aber vielleicht wolltest du ihm diese allerletzte Gassirunde in deinem stolzen Hundeleben schenken. Als ich gegen 10 im Bett lag wollte ich deinen Herzschlag zählen, die Tierärztin hatte uns darum gebeten. Du bekamst Probleme mit der Atmung, gingst aus deinem Körbchen und legtest dich wie so oft auf den Teppich. Die Atmung wurde normal, ich legte mich neben dich, und das einzige was sich neben deinem wieder sanften Atemzüge bewegte waren deine Augen. Du lagst völlig Regungslos am Boden, und diesen Blick werde ich niemals vergessen .In dem Moment hatte ich das Gefühl, dass du dabei warst zu sterben. Ich wusste es einfach. Ich machte ein letztes Bild von dir, weil ich eine traurige Ahnung hatte. .

Schon immer bist du Nachts desöfteren ruhelos durch die Wohnung gewandert. Vom Wohnzimmer ins Schlafzimmer , zwischendurch auch in die Küche und wieder zurück. Auch diesen Abend war es so. Du legtest dich in den Flur und ich dachte mir nichts dabei. Bis zu dem Augenblick als ich dein schweres und schnelles Atmen durch die angelehnte Tür vernahm. Kurze Zeit später hattest du einen Krampf, du schienst dich vor Schmerzen zu krümen. Herrchen kam aus dem Wohnzimmer dazu und als du zu jaulen anfingst wurde uns klar, dass du unheimliche Schmerzen haben musstest. Wieder beruhigte sich deine Atmung, wir hatten die Hoffnungs es wäre vielleicht nur eine einmalige Sache. Wir entschieden uns den Notdienst zu rufen. Der erste Notdienst hatte allerdings keine Kapazitäten. Erst beim zweiten sagte man uns zu, dass man in 1 Stunde bei uns sein könnte. Wir sagten zu und das lange warten fing an. Währenddessen wiederfuhr dir noch ein weiteres Mal ein Krampf, mit Schmerzenslauten, die ich nie wieder vergessen werde. Mir wurde immer bewusster, dass dies die letzten Meter auf unserem gemeinsamen Lebensweg werden würden.

Kurz vor Mitternacht kam endlich die ersehnte Tierärztin. Sie untersuchte dich, hörte und tastete dich ab. Sie versuchte uns schonend beizubringen , was ich dann schlicht und einfach aussprach: „Unser Hund stirbt“ . Sie nickte mit dem Kopf und stimmte mir leise zu . Sie sagte du hättest unglaubliche Schmerzen, deine Mundschleimhaut wäre schon nicht mehr richtig durchblutet. Du warst dabei zu sterben. Papa griff nach dem letzten dünnen Strohhalm und fragte ob es nicht eventuell an dem neuen Medikament liegen könnte. Genau wie ich wollte der dich festhalten und nicht gehen lassen. Die kleinen Laute die du von dir gabst bezeichntete die Tierärztin als weinen. Ein Zeichen für deine Schmerzen, was mir erst durch Ihre Aussage bewusst wurde. Denn nie zuvor hatte ich dich , meinen über alles geliebten Hund weinen gehört.

Eine Vene für das Schlafmittel fand die Tierärztin nur mit Problemen, sie spritze zunächst eine geringe Dosis Schlafmittel um dir dann in dein kleines flauschiges Vorderpfötchen die letzte Dosis Schlafmittel zu geben, die dich für immer von uns fortführen würde. Um 00.14 Uhr hörte dein Hundeherz auf zu schlagen. Ich hielt deine Pfote und Papa streichelte deinen Kopf. Mein Herz zerbrach in diesem Moment in tausend Stücke.

Die erste Nacht ohne Dich ging traumlos an mir vorbei. Ich schlief bis zum Morgen. Kein Geräusch von dir in der Nacht fand seinen Weg zu mir. Kein quietschen der Türen, wenn du vom Wohnzimmer oder der Küche den Weg zu mir fandest. Kein Knarzen des Hundekörbchens, wenn du du dich neben meiner Bettseite zum schlafen legst. Und kein wohliges Schnarchen des Hundes den ich über alles geleibt habe.

Als ich erwachte fehlte dein Schwanzklopfen am Bettrahmen, deine kleine nasse Nase mit der du mich manchmal am Morgen angestupst hast. Herrchen ging zu Bella ins Zimmer um ihr zu erzählen was passiert war während ich den Tränen nachgab.

Wir hatten dich in der Nacht auf deinen kleinen Teppich im Wohnzimmer gelegt und mit deiner Kuscheldecke zugedeckt. Kalt und steif fühltest du dich an, als unsere Bella dich ein letztes Mal streichelte bevor sie in den Kindergarten ging. Die Tierbestatterin wollte gegen Mittag kommen und dich mitnehmen. Ich bildete mir ein dein schwänzeln zu hören, dein schnarchen, aber schon nach einem kurzen Moment wurde mir klar, dass das nicht sein kann. Ich streichelte noch mehrmals über dein Fell, hielt deine Pfötchen, roch noch ein letztes Mal an ihnen und versuchte den erdigen Duft den sie verströmten festzuhalten. Dein Öhrchen kämte ich noch mal mit der Bürste (die du nie so recht mochtest) um anschließend eine kleine lockige Haarsträhne von dir abzuschneiden und aufzubewahren.

Dann war es so weit. Gemeinsam mit der Bestatterin trug ich dich in einem wunderschönen mit flauschigen Sternendecken ausgestatteten Körbchen aus unserer Wohnung. Ein kleins Holzherz mit der Aufschrift “ Gute Reise Bailey” , sowie ein von mir beschriftetes Holzherz mit den Worten “In ewiger Dankbarkeit” lagen bei dir. Auch eine ganze Tüte deiner geliebten Leckerlies bekammst du mit auf deinem letzten Weg. Um 13:08 trug ich dich aus dem Haus und schaute dem schwarzen Auto hinterher bis es um die Ecke bog.


Einige Tage nach deinem Tod stieß ich auf einen Artikel zum Thema “Wenn Hunde sterben” . Ich las über die Phasen des Sterbens bei alten Hunden und fand unsere letzten Nacht 1 zu 1 darin wieder. Tagelang quälte ich mich mit dem Gedanken, dass du unendliche Schmerzen gehabt haben musst. Endlich konnte ich ein klein wenig Frieden schließen weil ich nun wusste, dass es keine Schmerzenlaute gewesen sind, sondern der dir bewusst werdende, nahende Tod. Auch lass ich wie wichtig es wäre bei dir zu bleiben, wenn du es zuließest. Du starbst an Altersschwäche, und dein jaulen war kein Schmerzenslaut , sondern ein Laut der Ungewissheit. Wir hatten alles richtig gemacht. Wir haben dich jede Minute auf Erden geliebt, und auch jetzt tun wir dies . Ich habe mein Versprechen gehalten bei dir zu bleiben bis zum letzten Atemzug. Danke dass, du es zugelassen hast. Dein letztes Geschenk an uns.

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