Allgemein · Sternenkinder

Bruno – Du und deine Oma seid die hellsten Sterne am Himmel [Gastbeitrag]

Heute erzählt Sindy von Ihrem ersten Kind Bruno:


Mein Schicksal hat eigentlich schon im März 2018 begonnen, denn da verstarb die wichtigste Person meines Lebens – meine geliebte Mama. Ohne jegliche Vorerkrankungen musste sie im Alter von nur 45 Jahren unsere Welt verlassen. Die Zeit danach ist/war unglaublich schlimm für mich und den Rest der Familie. Kurz nach Mamas Tod stand dann auch noch der Umzug in meine erste eigene Wohnung bevor. Dort habe ich kaum eine Nacht verbracht, denn ich bin fast täglich zu meinen Großeltern ins Elternhaus gefahren.

Ein paar Monate vergingen und plötzlich kam ein Mensch in mein Leben getreten, der es sogar geschafft hat mir ein kleines Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Vom ersten Tag an war das zwischen uns etwas ganz besonderes und am 19.11.2018 konnte ich ihn endlich `meinen Freund` nennen. Er hat meinem Leben wieder einen Sinn gegeben und egal wie viele Tränen über mein Gesicht kullerten – er versuchte alle wieder zu trocknen.

An unserem ersten Jahrestag, dem 19.11.2019, dann die große Überraschung. Mir ging es schon einige nicht so gut und meine Periode war überfällig. Jedoch habe ich mir dabei nicht viel gedacht, da diese fast nie regelmäßig kam. Als ich an diesem Abend den ersten positiven Schwangerschaftstest meines Lebens in der Hand hielt war ich hin und her gerissen von Angst und Freude. Ich stellte mir immer wieder die Frage, wie wir das denn alles schaffen sollten? Trotz meiner Sorge war mein Partner in jedem Augenblick für mich da und hat mir gut zu geredet. Aus der Angst, die in den ersten Stunden durch meinen Kopf schwebte, wurde plötzlich FREUDE, große Freude. Wir saßen zusammen auf dem Sofa, riefen meine Großeltern und seine Eltern an und freuten uns alle zusammen über den baldigen Familienzuwachs. Kurz darauf beschlossen mein Freund und ich sogar die Wohnung in meinem Elternhaus auszubauen, um dort gemeinsam mit unserem kleinen Wunder und meinen Großeltern zusammen zu leben.

Eigentlich war fast alles perfekt, außer der Gedanke daran, dass meine Mama ihren Enkel leider nie persönlich kennenlernen wird. Mehrere Wochen voller Übelkeit und Stimmungsschwankungen vergingen und dann kam der 08.01.2020 (13.SSW). ich hatte die 3. Routineuntersuchung bei meinem Frauenarzt und auch mein Freund durfte zum ersten Mal beim Ultraschall dabei sein. In diesem Moment wussten wir noch nicht, dass es uns gleich den Boden unter den Füßen wegreißt. Es dauerte nicht lang und die Frauenärztin kam ins stottern. Wir wurden ganz verrückt, weil sie mehrere Minuten das Ultraschallgerät hin und her schon ohne ein Wort über unseren Krümel zu verlieren. Plötzlich sprach sie diesen Satz aus, den keine Frau auf der Welt verdient hören zu müssen: „Es tut mir wirklich leid, aber das Herzchen ihres Babys schlägt nicht mehr und gewachsen ist es in den letzten zwei Wochen auch nicht.“. Uns blieb die Luft weg und mein Partner und ich schauten uns in die Augen und fingen sofort beide bitterlich an zu weinen. Der Traum von einer eigenen kleinen Familie war so schnell im Sande verlaufen.

Da es keinerlei Anzeichen für eine natürliche Ablösung gab, entschieden wir zusammen mit der Frauenärztin eine Ausschabung vornehmen zu lassen, jedoch wusste zu dem Zeitpunkt keiner von uns, dass der nächste Termin erst am 14.01.2020 frei war. Letztendlich verließen wir die Praxis und ich musste noch 6 Tage mit einem leblosen Wesen in mir herumlaufen. Ich hatte große Angst vor dem Eingriff, da es das erste Mal sein wird, dass ich in Vollnarkose versetzt und operiert werde. Aber noch schlimmer als die Angst vor dem Eingriff, war zu wissen, dass unser kleines Wunder nicht mehr lebt. Am 14.01.2020 früh um 6 Uhr im Krankenhaus angekommen konnte ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Ständig gingen mir Gedanken durch den Kopf, ob wir vielleicht etwas falsch gemacht haben oder es gar nicht verdient hatten eine glückliche Familie zu werden. Nun der Moment: ich bin schwanger eingeschlafen und unschwanger wieder aufgewacht. Der kleine Wurm wurde mir einfach aus meinem Körper geschnitten und wir konnten nichts dagegen tun. Das Einzige was uns blieb waren die ersten Ultraschallbilder und die Trauer, welche bis heute noch anhält.

Ich war einfach so leer… ich wollte niemanden sehen oder hören und das schlimmste daran war eigentlich meinen Freund so leiden zu sehen. Er selbst hat einen wundervollen, mittlerweile 4 jährigen Sohn und unser erstes gemeinsames Kind hätte unser Leben einfach vollkommen gemacht. Auch wenn ich es die ersten Tage nicht wahrhaben wollte, aber das Dasein seines Sohnes hat mir und vor allem meinem Partner wahnsinnig viel Kraft gegeben weiter zu machen. Die Tage und Wochen vergingen und ich merkte schnell, dass es nichts bringt die Sorgen in mich hinein zu fressen. Ich fing an meine Gedanken aufzuschreiben und konnte, auch wenn anfangs mit jeder Menge Tränen in den Augen, von Tag zu Tag offener über das ganze Geschehen und unser Sternchen erzählen. Bis jetzt gab es keinen einzigen Tag, an dem ich nicht an unseren kleinen Bruno gedacht habe. Und wieso Bruno? Weil der Arzt im Krankenhaus noch einmal vor der Ausschabung auf Nummer sicher gehen wollte und beim Ultraschall schon zu 85% der Meinung war, dass es ein wundervoller Junge geworden wäre. Natürlich haben wir vorher unsere Späße mit ein paar Namen gemacht, sind aber letztendlich zu dem Entschluss gekommen, dass wenn es ein Junge werden sollte er definitiv Bruno heißen wird!

Erst war ich mehrere Wochen der Meinung, dass ich erstmal gar kein eigenes Kind haben möchte beziehungsweise hatte ich einfach riesige Panik davor, dass mir so etwas noch einmal widerfahren wird. Wir haben es weder darauf angelegt, noch genauer darüber gesprochen und trotzdem eines Tages – um genau zu sein am 05.05.2020 – hielt ich erneut einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Ich wusste ehrlich gesagt nicht wie mir geschieht. Die Angst war so unglaublich groß und die Trauer um unser Sternchen wurde wieder schlimmer. Ich habe meinem Partner den positiven Test in eine Geschenkschachtel gelegt und ihm diese nach der Arbeit unter die Nase gehalten. Er meinte sofort „Ich habe doch nicht einmal Geburtstag, was soll dieses Geschenk?“ und meine Antwort darauf war einfach nur „Öffne es, du hast es dir sehr gewünscht!“.

Und tatsächlich: er öffnete die kleine Schachtel mit dem positiven SS-Test und konnte seinen Augen gar nicht trauen. Wir fielen uns in die Arme und weinten – wir weinten vor Glück und andererseits leider auch ein bisschen vor Angst. Ab diesem Tag habe ich mir geschworen alles anders zu machen, jeglichen Stress zu vermeiden und vor allem mir selbst immer wieder gut zu zureden. Der erste Termin bei der Frauenärztin war gekommen und ich war mehr als nur aufgeregt. Leider durfte ja aufgrund von Corona mein Freund bis heute bei keiner Untersuchung dabei sein, also musste ich das ganze irgendwie allein durchstehen. Das Ultraschallbild wurde deutlicher und mein Herz schlug schneller. Die Ärztin meinte, dass man leider das Herzchen noch nicht schlagen sehen könnte, aber ich mich nicht verrückt machen und in 7 Tagen wieder kommen sollte. Leichter gesagt als getan… meine Gedanken drehten sich die nächsten 7 Tage nur um eine Sache: hoffentlich schlägt beim nächsten Termin das Herz des kleines Regenbogenwunders.

Das Herz hat geschlagen und das tut es auch heute noch (23.11.2020 – 33.SSW) – wir sind überglücklich! Und der größte Zufall: der errechnete Entbindungstermin für unser Regenbogenbaby soll der 14.01.2021 sein – so hat es Bruno gewollt! Am 19.06.2020 habe ich dann meinem Freund das Ja-Wort gegeben und konnte ihn endlich `meinen Ehemann` nennen. Die Ängste vor dem nächsten Frauenarzttermin wurden von Mal zu Mal weniger und als ich dann unseren kleinen Jungen sogar spürte, konnte ich mir wenigstens sicher sein, dass es ihm gut geht. Die Zeit zwischen den Terminen (immer 4-5 Wochen) war fürchterlich und verging überhaupt nicht. Seit der 30. SSW habe ich nun aller zwei Wochen Termin und diese sind jetzt zum Glück kaum noch mit irgendeiner Angst verbunden. Der große Bruder fragt uns fast jeden Tag, wenn er bei uns ist, wann denn endlich sein Bruder da ist. Wir freuen uns alle riesig auf den kleinen Mann – der kleine Mann auserwählt für die Erde von seiner Oma und seinem Bruder im Himmel.

Jeden Tag denken wir an Bruno und auch an meine Mama, die ihren ersten Enkel, aus welchen Gründen auch immer, schon bei sich im Himmel hat.

Ich möchte jeder Sternchenmami ans Herz legen: gebt bitte niemals auf!

Irgendwann kommt der Tag, an dem wir nicht nur unsere Sternchen im Herzen, sondern auch ein (Folge)Wunder an unserer Hand tragen werden. Und noch etwas: redet so viel wie möglich über das Geschehene sobald euch danach ist. Es wird euch wirklich sehr helfen alles besser zu verarbeiten oder schreibt eure Gedanken einfach auf – so wie ich. Die Einen können es eben früher, die Anderen später. Ich werde definitiv unseren Jungs irgendwann von Bruno im Himmel erzählen!


Danke Sindy, dass du uns von Eurem Bruno erzählt hast und den anderen Sternenmamas diese ermunternden Worte am Ende schenkst.

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