Allgemein · Sternenkinder

Aaro – unser kleiner Kämpfer [Gastbeitrag]

Heute darf ich Euch die Geschichte von Sarah und Ihrem wunderschönen kleinen Kämpfer Aaro erzählen.


 

Am 09.02.2018 hielt ich den positiven Schwangerschaftstest unseres 2. Wunschkindes in Händen.Unser großer Sohn war zu dem Zeitpunkt 2 Jahre alt und für uns war der Zeitpunkt perfekt das er nun ein Geschwisterchen bekommen sollte.

Diese Schwangerschaft war etwas anstrengender als die mit unserem großen. Ich hatte recht schnell mit starker Übelkeit und Erbrechen zu tun, dazu kamen Schmerzen durch eine frühe Symphysenlockerung. Doch unserem kleinen Bauchzwerg ging es gut und das war die Hauptsache.Ich hatte oft Albträume in denen ich unser Baby verlor und generell Angst das dieses mal etwas passiert.

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Am 23.04.2018 bei der 16+4 ssw hatten wir einen Termin zum Babyfernsehen, ich freute mich riesig darauf unseren Zwerg zu sehen.Doch dieser Tag sollte der Anfang vom Ende sein.Die Ärztin schallte und beschrieb uns alles. Es wunderte mich das sie zwischendurch immer wieder zurück zum Köpfchen schallte und ruhiger wurde.Irgendwann erklärte sie das unser Baby zu viel Flüssigkeit im Kopf hatte, das dies normal sein könnte sie wollte es aber abgeklärt haben und schickte mich daher zu Feindiagnostik. Dort ging ich am nächsten Tag schon mit einem schlechten Gefühl hin.Der Arzt fing an zu schallen und sah mich bereits nach einigen Minuten mitleidig an. Es sah überhaupt nicht gut aus für unser Baby. Es hatte kaum Gehirnmasse, weder vom Groß- noch vom Kleinhirn war viel zu erkennen. Dazu kam ein nicht geschlossener Balken und eine auffällige Nasenwurzel.Im Raum standen nun mehrere Krankheiten die zu dieser Diagnose passten allen voran eine Anenzephalie. Fest stand jedoch unser Baby würde wahrscheinlich im Laufe der Schwangerschaft oder spätestens bei der Geburt sterben.Ich brach danach quasi zusammen, konnte nicht verstehen warum unser Baby krank war wo wir doch schon einen gesunden Jungen an der Hand hatten.Ich wurde weiter zur Genetikerin geschickt, diese konnte mir jedoch auch keine Hoffnungen machen.

Unser großer Sohn bekam bereits viel mit, er war schon immer sehr feinfühlig und sensibel. Er wusste von seinem Geschwisterchen und legte oft den Kopf auf meinen Bauch, sagte Hallo Baby und machte Musik indem er mit den Fingern auf dem Bauch tippelte.Ich war seit Tagen nur von Arzt zu Arzt gerannt, war nervlich komplett am Ende und musste doch stark sein.Mein Freund war Arbeitsbedingt leider bei keiner der Untersuchungen und Gespräche dabei. Auch die Fruchtwasserpunktion die ich noch über mich ergehen lassen musste, musste ich alleine durchstehen.Es war eine der schlimmsten Erfahrungen die ich machen musste. Insbesondere da ich die ganze Zeit Angst um unser Baby hatte. Die Punktion ergab nichts, doch die Ärzte gaben uns keine Hoffnung.

Wir entschieden uns die Schwangerschaft vorzeitig zu beenden. Wir wollten nicht das unser Baby leiden musste, wollten nicht das unser großer Sohn weiter unter dieser angespannten litt. Die Tage nach dieser Entscheidung waren noch einmal Nerven aufreibend. Es ging immer hin und her vom Frauenarzt zur Klinik und wieder zurück. Andauernd hat irgendwas gefehlt oder war nicht der richtige Schriebs.

Meine Schwester kam zu uns und zusammen machten wir einen Gipsbauchabdruck um eine greifbare Erinnerung an unser Baby zu haben. Am 03.05. bekam ich dann meinen Freund dazu mit mir zum Frauenarzt zu gehen um noch einmal nach einem Ultraschall zu fragen.An diesem Tag erfuhren wir das unser Baby ein Junge war. Noch in der Praxis bekam er den Namen Aaro. Er war unser Kämpfer, denn trotz der schlimmen Diagnose schlug sein Herzchen immer so kräftig.

Vor unserem letzten Wochenende schrieb ich dein Sternenkind an und den Verein Sternenzauber & Frühchenwunder um so viele Erinnerungen an unseren Sohn zu schaffen wie möglich. Wir verbrachten den Vatertag im Park mit unseren Freunden, waren am 11.05. im Zoo Hannover. Der letzte Tag Zuhause war dann der 13.05. – Muttertag. Ich durfte unseren kleinen Kämpfer spüren, durfte seine zarten tritte spüren bevor sie für immer weg wären.

Am 14.05.2018 war der Tag da, ausgerechnet da bekam unser großer Fieber und hat viel geweint. Er bekam ja mit das irgendwas nicht stimmte und Mama Sachen packte. Er sollte bei seiner Tante und seinem Onkel bleiben solange ich im Krankenhaus war. Es brach mir das Herz ihn so alleine zu lassen, nicht bei ihm sein zu können. Doch ich fuhr los obwohl ich lieber ganz weit weg gefahren wäre. Vor dem Krankenhaus erwartete mich meine Hebamme. Eine Frau die meinen größten Respekt hat. Sie hat uns von Anfang an beigestanden hat ohne zu zögern angeboten uns zu begleiten. Sie war beim Vorgespräch dabei und nun auch so lange bis wir diesen Tag geschafft hatten. Eigentlich begleitete sie seit Jahren keine Geburten mehr und war trotzdem sofort bereit uns zu unterstützen.

Wir meldeten uns an, ich musste mich umziehen und schon bald bekam ich das erste Zäpfchen was die Stille Geburt einleiten sollte. Ich konnte noch lachen, frei erzählen und meine Hebamme erleichterte mir die Zeit so gut sie konnte. Später kam auch mein Freund zu uns als die Wehen langsam anfingen. Durch meinen vorangegangenen Kaiserschnitt konnten sie nur langsam einleiten. Immer wieder durfte ich zwischendurch Aaro’s Bewegungen spüren, wir würden diesen Kampf zusammen durchstehen. Irgendwann kamen dann die Blutungen und mir wurde wirklich bewusst was hier passierte. Von da an flossen die Tränen immer wieder.

Um 21 Uhr mussten mein Freund und meine Hebamme dann gehen. Ich war also die ganze Nacht alleine. Am nächsten Tag bekam ich, nachdem die Fruchtblase geöffnet wurde, einen Wehentropf um die Wehen noch mal richtig anzufachen.

Am 15.05.2018 um 11:45 Uhr kam unser Sohn dann in der 19. Ssw mit der Hilfe der Ärztin nach 24h Kampf auf die Welt. Still. Denn sein kleines Herz das von Anfang an so stark geschlagen hatte, hat irgendwann aufgehört zu schlagen. Aaro wog 228g und war 20cm groß. Wir durften ihn eine Viertel Stunde bei uns behalten bis ich in den Op zur Ausschabung musste. In dieser Zeit kuschelte meine Hebamme ihn in die Decke und das Körbchen ein welches meines Oma mit viel Liebe für ihn gestrickt hatte.

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Eine Fotografin von dein Sternenkind kam und machte wundervolle Fotos von unserem perfekten kleinen Jungen. Als ich dann aus der Narkose wach wurde war mein erster Gedanke mein Sohn. Ich wurde auf ein Zimmer gebracht und bekam dann mein Kind wieder, die ganze Zeit über hatte meine Hebamme über ihn gewacht wofür ich ihr unendlich dankbar bin. Auch von diesem Moment haben wir wunderschöne Fotos bekommen die jede Emotion eingefangen haben. Die Trauer ebenso wie die unendliche Liebe. Leider mussten wir uns recht schnell von unserem Sohn verabschieden und am nächsten Morgen hatte ich nur einen Gedanken: Ich will mein Kind zurück. Ohne ihn diese Klinik zu verlassen war schrecklich.

Ich bin unserem Sohn so dankbar das er da war und das er uns so viel gegeben hat.Ich habe dank ihm so wunderbare Menschen und Organisationen kennengelernt.Unsere Beziehung ist durch diese Erfahrung gewachsen und im Februar 2019 haben wir geheiratet.Völlig unerwartet hat Aaro uns dann noch im selben Monat ein Geschwisterchen geschickt.Nun erwarten wir unser Regenbogenbaby, unseren 3. Sohn der sicher auch dank seinem ganz besonderen Schutzengel dieses mal Kerngesund ist.

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Im Herzen ist Aaro immer bei uns und wir besuchen ihn regelmäßig am Grab.Unser großer redet oft mit seinem Sternenbruder und hat eine enge Bindung zu ihm auch wenn er ihn nicht kennenlernen konnte.

 

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