Allgemein · Sternenkinder

Ben & Henry – Unser doppeltes Wunder Und unser Krűmmelchen [Gastbeitrag]

Ich möchte mich zuerst bei euch vorstellen, mein Name ist Kati ich bin 35 Jahre alt und mein Mann Olli ist 38 Jahre alt, wir wohnen in dem schönen Bayern und sind Sternenkindereltern. Und von unseren Sternen möchte ich euch jetzt erzählen.

Ich habe meine große Liebe, meinen Mann erst “spät” kennen gelernt, für uns war aber sofort klar, dass wir für immer zusammen bleiben möchten und Familie möchten. Bei uns war es wirklich Liebe auf den ersten Blick.

Ich wurde, vőllig űberraschend, sofort schwanger. Ich konnte mein Glück kaum fassen, mein Mann war zuerst überrumpelt und dann total Feuer und Flamme. Ich wusste schon vor dem positiven Schwangerschaftstest das ich schwanger bin, auch wenn mir das damals keiner glauben wollte,es ist aber die Wahrheit.

Ich bekam beim ersten Ultraschalltermin beim Gynäkologen schon den Mutterpass und ich war so stolz auf dieses Heft und das allererste Ultraschallbild. Ich war wirklich im 7. Himmel und űberglűcklich.

In der 10. Woche ging es mir dann irgendwie körperlich nicht so gut und ich hatte einfach das Gefühl, dass etwas nicht stimmte- und da mein Gynäkologe im Urlaub war bin ich zu seiner Vertretung. Dort wurde festgestellt, dass ich eine sehr starke Blasenentzűndung hatte (ich habe sie selbst nicht bemerkt, da ich keine Schmerzen hatte usw.) Aber im Ultraschall schlug das Herzchen und das war wirklich das Allerschönste was ich jemals gehört habe ❤ Und das Beste war, das Olli auch dabei sein konnte und es ebenfalls miterleben durfte.

Der Arzt meinte zwar das der Herzschlag noch zulegen muss, sonst aber alles in Ordnung sei. Ich bekam Antibiotika und sollte ein paar Tage später wieder zu meinem Gynäkologen zur Kontrolle. Ein paar Tage später ging ich mit meiner Mama zum Arzt, da mein Mann zu diesem Zeitpunkt noch immer sehr oft auf Montage war und ich wollte einfach jemanden dabei haben mit dem ich mein Glück teilen konnte. Es war der Tag an dem sich mein Leben für immer ändern sollte……..

Am 26.06.2016 lag ich nun also auf diesem Stuhl und war voller Vorfreude mein Kind gleich zu sehen und zu hören das alles okay ist und meiner Mama ihr Enkelkind auf dem Ultraschallmonitor zu zeigen. Mein Gynäkologe war total ruhig und hat sich stur auf den Monitor konzentriert, ich wusste sofort das etwas nicht stimmt und habe ihn gefragt was los sei. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, diese Stille bevor er endlich was sagte. Er erklärte mir, dass es keinen Herzschlag mehr gäbe. Ich sollte mich wieder anziehen und ins Sprechzimmer kommen, indem auch meine Mama saß und alles mitbekam. Ich war so unter Schock gestanden, das die ersten Minuten mechanisch abliefen, anziehen, ins Sprechzimmer gehen und Platz nehmen – wie immer.

Erst als meine Mama mich ansah und mir den Arm gestreichelt hat, brachen bei mir alle Dämme. Es war als hätte es mir regelrecht den Boden unter den Fűßen weggezogen und ich fiel ins Leere, ins Endlose.

Das Folgende kann ich nur noch bruchstűckhaft wiedergeben, da ich nicht mehr klar denken konnte. Der Arzt sagte zuerst zu mir das es helfen würde 10-15 Kilo abzunehmen, für eine erneute Schwangerschaft…..” Entschuldigung????? Ich habe gerade erfahren das mein Kind nicht mehr am Leben ist und tot in meinem Bauch liegt und du kommst mir damit????” habe ich leider nur gedacht, war aber nicht im Stande es zu sagen. Ich habe so stark geweint und je mehr ich versuchte mich zusammen zureißen, desto schlimmer wurde es.

Als er dann noch im Krankenhaus anrief um einen Termin zur Kűrettage zu machen, am besten noch am gleichen Tag, habe ich fluchtartig die Praxis verlassen. Ich musste an die frische Luft weil ich keine Luft mehr bekam. Ich war mit allem einfach nur noch überfordert und mein Mann wusste von alledem noch gar nichts.

Meine Mama hat für mich alles in der Praxis erledigt und ich habe nie wieder einen Fuß in diese Praxis gesetzt. Das war einfach nur unmenschlich und unfassbar für mich, was er gesagt hat und wie er sich verhalten hat.

Ich habe noch vor der Praxis meinen Mann informiert, per WhatsApp. Das Schlimmste was ich tun konnte, aber ich war einfach nicht ich selbst.

Als wir am Abend dann telefoniert hatten, habe ich nur geweint und er konnte mir nichts Recht machen, ich habe ihn ohne Grund nur angemotzt, das war damals für ihn alles andere als leicht, vor allem weil er physisch nicht für mich da sein konnte und ich “alleine” war mit allem.

Am nächsten Tag habe ich in meiner Verzweiflung bei dem Gynäkologen angerufen, bei dem ich zur Vertretung war. Er war mir total sympathisch als ich zur Vertretung bei ihm war, ich habe ihn gebeten das er bitte nochmal einen Ultraschall machen soll, diesen musste ich selbst bezahlen, aber das war mir egal. Ich wollte nichts unversucht lassen. Er hat sich wirklich sehr viel Zeit genommen und mir alles erklärt, leider bestätigte er den Missed Abort und sagte das er vermutet es seien eineiige Zwillinge, aber er sei sich nicht sicher. Diese Aussage hatte ich aber zu dem Zeitpunkt irgendwie nicht registriert. Er riet mir auch dazu ins Krankenhaus zu gehen und eine Kűrettage vornehmen zu lassen. Im nachhinein muss ich sagen, dass ich überhaupt nicht aufgeklärt wurde und es so hinnahm weil ich keine Kraft hatte mich mit irgendwas auseinander zu setzen und ich wollte es immer noch nicht glauben, das ich mein Kind in meinem Bauch niemals gesund zur Welt bringen werde, es niemals lachen sehen werde – das hat mir das Herz gebrochen.

Wieder einen Tag später fuhr ich wieder mit meiner Mama ins Krankenhaus, mein Mann durfte nicht von der Montage nachhause kommen. Im Krankenhaus hatte ich erneut das Glück eine sehr nette Ärztin zu haben, die sich wieder sehr viel Zeht genommen hat. Ich muss ganz ehrlich sagen, zu diesem Zeitpunkt war ich es leid mich ständig auszuziehen und mich auf den Stuhl legen zu müssen und die Tortur der Ultraschalluntersuchung über mich ergehen zu lassen. Ich war auch nicht mehr gewillt auf diesen blöden Ultraschallbildschirm zu schauen und habe demonstrativ den Kopf weggedreht. Aber Sie war so einfühlsam und emphatisch und sagte zu mir, “Schauen Sie sich ihre Kinder noch einmal an und ich erkläre ihnen was mit ihren Kindern passiert ist”.

KINDER……ich dachte ich habe mich verhőrt. Es stellte sich heraus, dass ich tatsächlich mit eineiigen Zwillingen schwanger war. Die befruchtete Eizelle, hatte sich wohl zu langsam geteilt und die Zellteilung hat nicht richtig funktioniert. Deshalb war es so, dass die beiden zusammengewachsen waren und alle Organe nur einmal vorhanden waren, auch das Herz. Das Herz hat wohl diese Belastung nicht mehr geschafft und hat aufgehört zu schlagen. Ich hätte die Beiden aber leider nie lebend zur Welt bringen können, das hat Sie mir ausführlich erklärt. Es war eine so genannte “ Laune der Natur” – ein makaberer Scherz oder was auch immer.

Ich habe also beim Arzt, als dieser sagte :” Der Herzschlag muss noch kräftiger werden”, mit meinem Mann zusammen unsere Kinder sterben gehört. Wir sind aber beide sehr dankbar das wir es űberhaupt erleben durften, das Herz unserer Kinder schlagen zu hören.

Am 30.06.2016 reisten meine Kinder dann zu den Sternen, zusammen vereint – für immer.

Mein Mann konnte auch an diesem Tag leider nicht bei mir sein, seinen Platz nahm erneut meine Mama ein. Sie fuhr mich ins Krankenhaus, ging mit mir in das Krankenhauszimmer, in dem ich mich für die Operation / Kűrettage umziehen musste. Mir war unendlich übel und ich hatte so einen Ekel vor diesem Op-Hemd, ich wollte das alles einfach nicht, es war mir zu endgültig, zu kalt.

Die Schwester auf der Station war ebenfalls sehr nett und emphatisch. Ich bekam also diese Tablette, die den Muttermund öffnen sollte. Es kam mir vor wie eine Ewigkeit, diese Warterei bis ich in den OP kommen sollte. Ich bekam eine Stunde nach der Tablette, starke Krämpfe und Blutungen. Ich glaube im nachhinein, hätte man mir noch etwas Zeit gegeben, wären meine Kinder so gekommen und ich hätte keine Kűrettage gebraucht.

Aber da wurde ich auch schon abgeholt und in den OP gebracht. Dort war es grauenhaft, ich lag etwa nochmals 40 Minuten in diesem Vorbereitungsraum und starrte die Decke an, komplett alleine war ich da.

Im OP Saal hatte ich erneut das Glück sehr nette Pfleger und Ärzte zu haben, der Anästhesist hat meine Hand gehalten und mir gut zugesprochen, denn ich hatte wieder geweint und wollte die Narkose nicht- zum einen weil ich Angst hatte und zum anderen weil ich wusste das ich nicht mehr schwanger bin wenn ich wach werde, und meine Kinder weg sind…… das gab mir den Rest.

Ca. 20 Minuten später, wurde ich wieder wach und ich kann es nicht in Worten beschreiben wie ich mich danach fühlte….einfach nur leer.

Ich wollte am gleichen Tag noch nachhause und da mein Mann nicht zuhause war, ich aber 24 Stunden űberwacht werden musste, fuhr ich mit zu meiner Mama. Ich wollte eigentlich einfach nur alleine sein. Aber es war auch so ok, ich hatte meine Rűckzugsmőglichkeit und habe viel geschlafen.

Wo meine Kinder hinkamen wollte oder konnte mir zu diesem Zeitpunkt niemand sagen, bis ich später dann erfahren habe, dass Sie anonym auf dem Friedhof vom Krankenhaus beerdigt wurden.

Wir sind hier wirklich alleine gelassen worden, und genau an dem Punkt hätte ich mir mehr Transparenz gewünscht.

“ Was passiert mit unseren Kindern”, “ Wo kommen sie hin?”

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Die Zeit nach dem Verlust von unseren Zwillingen, war hart. Ich musste das erstmal wirklich verkraften und verarbeiten, da prassen soviele Gefühle auf einen ein, von Hass bis tiefer Trauer, alles!

Mein Mann gab sich die grőßte Műhe, dass es mir gut geht, aber egal was er tat, ich war immer unfair zu ihm. Er wusste irgendwann nicht mehr was er noch tun oder sagen sollte, das war wirklich eine Belastungsprobe für unsere Beziehung. Aber es hat uns im Grunde noch näher zusammen gebracht und wir wissen heute, das wir die Hölle überstanden haben und uns nichts mehr auseinander bringen kann.

Ich hatte gehofft das wir zeitnah mit einem Folgewunder schwanger werden würden, aber nach der Kűrettage hatte ich starke Probleme mit meinem Zyklus.

Erst im Februar durfte ich erneut positiv testen – am 08.02.2018. Leider bekam ich nur einen Tag später sehr starke schmerzhafte Blutungen und es war alles aus, bevor es überhaupt begann.

An einem 08. hätten wir Entbindungstermin der Zwillinge gehabt, bewusst haben wir an einem 08. geheiratet, damit Ben & Henry für immer zu uns gehören und wir haben Beide, für unser Stammbuch vom Standesamt beurkunden lassen, denn wie schon gesagt – sie gehören für immer zu uns und sind in unseren Herzen und ich vermisse sie jeden Tag 😥❤ und an einem 08. hatte ich den 2. positiven Schwangerschaftstest in der Hand…..

Auf unserer Reise zu einem gesunden Folgewunder, sind wir seit Mai diesen Jahres, in der Kinderwunschklinik angekommen und hoffen das wir mit Hilfe und Unterstützung der Ärzte dort, bald ein Baby in den Armen halten dürfen.

Es ist ein harter Weg, gepflastert mit intoleranten Menschen, mit Enttäuschungen, Hoffnung, Schmerzen, emotionaler Achterbahnfahrt, Hormonen, Spritzen, blöden Sprüchen von sogenannten selbsternannten Experten und teilweiser eigener Resignation.

Bis jetzt habe ich es aber immer wieder geschafft, weiterzumachen und durchzuhalten denn wir kämpfen für das größte Glück und Geschenk das es gibt im Leben ❤ Es ist unser größter Traum und dafür werden wir weiter jeden Tag kämpfen, so lange auch nur ein Funken Hoffnung besteht.

Ich möchte euch an unserer Geschichte teilhaben lassen, um Mut zu machen, Verständnis zu zeigen und zu vermitteln.

Eure Kati, Sternenkindermami von Ben & Henry, und Krűmmelchen ❤

 

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