Allgemein · No mommy is perfect

Elterntaxi – und was ich darüber denke

Immer wieder las ich in den vergangenen Wochen über sogenannte Helikoptereltern, die es tatsächlich wagen Ihre Kinder täglich mit dem Auto  zur Schule zu bringen.

Ich hab in den Medien die absurdesten Argumentationen gelesen und viele ausufernde Diskussionen zu diesem Thema verfolgt. Nach wie vor halte ich an meiner Einstellung fest, dass nicht nur Kinder Individuen sind, sondern auch Eltern und genau deswegen sollte jedes Elternteil eigene Entscheidungen treffen (dürfen) und dabei auf die Akzeptanz anderer Eltern treffen (können).

An dem Thema „Kinder zur Schule bringen “ scheiden sich die Geister. Aber gerade deswegen möchte ich eine ganze persönliche Stellung dazu beziehen.

In den meisten Artikeln wird den Eltern Angst , Zeitdruck und nicht zuletzt die sture Bequemlichkeit unterstellt, wenn sie Ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen. Doch nicht immer lassen sich alle Fälle über einen Kamm scheren, und man sollte die individuellen Beweggründe versuchen zu verstehen.

 

„Verstopfte Straßen und unzureichende Parkmöglichkeiten…“

…werden häufig als Folge der Elterntaxis angeführt. Das erhöhte Verkehrsaufkommen führe dazu, dass Nebenstraßen überlastet seien . Ist es aber nicht so, dass seit Jahren die Zahl der Autofahrer zunimmt und das auch wenn man alle sogenannten Elterntaxis herausrechnet? Für mich sieht es danach aus, als ob man nun lediglich einen Schuldigen gefunden hat : Die übersorgsame Mutter trägt nun die Schuld daran, dass Straßen zu eng gebaut und zu wenig Parkmöglichkeiten vorhanden sind.

 

„Der bequeme Papa /die bequeme Mama von heute fährt Ihr Kind extra zur Schule…“

…ist ein oft zu lesender Vorwurf in diesem Zusammenhang. Keiner scheint darüber nachzudenken, dass bei einigen Eltern die Schule quasi auf dem Arbeitsweg liegt. Soll ich mein Kind nun 3 km zu Fuß zur Schule bringen , nur um dann wieder 3 km zurück zu meinem Auto zu gehen mit welchem ich dann zur Arbeit fahre? Je nach Arbeitsweg und Schulweg, sowie Alter des Kindes ist es für mich eine ganz logische Schlussfolgerung, dass das Kind nun mit dem Auto der Eltern zur Schule gebracht wird. Nicht in allen Ortschaften gibt es Schulbusse, und nicht selten verläuft der Schulweg an einer Hauptverkehrsstraße entlang. Würdet Ihr Euer Erstklässlerkind tatsächlich alleine zur Schule gehen lassen? Ich treffe da für mich persönlich ganz eindeutig die Entscheidung : Nein.

 

„Die Taxieltern tragen selbst zu einer erhöhten Gefährdung im Straßenverkehr bei….“

…ist ein weiteres Argument. Gabi Jung vom BUND Landesverband Berlin sagte dazu „„Sie tragen dann aber selbst zum erhöhten Verkehrsaufkommen bei, das sie ja so gefährlich finden, indem sie ihr Kind zur Schule fahren.“ Das Problem ist allerdings nicht das erhöhte Verkehrsaufkommen per se`. Das Problem sind Autofahrer die sich nicht an vorgeschriebene Tempobegrenzungen und die Regeln im Straßenverkehr halten. Und diese Autofahrer wird es immer geben, mit Elterntaxi und ohne Elterntaxi. Zumal auch ein Kind welches selbstständig zu Fuß zur Schule geht als Verkehrsteilnehmer zu sehen ist. Ein weiteres absurdes Argument von Frau Jung „Einerseits gefährden sie die Kinder vor der Schule und andererseits ihre eigenen Kinder, die vom Rücksitz aus nicht lernen können, sich sicher im Verkehr zu verhalten“. Daraus leitet sich die Schlussfolgerung ab, dass Kinder nur fähig sind zu lernen, wenn sie eine Situation selber erleben. Doch das erlernen des richtigen Verhaltens im Straßenverkehr fängt nicht erst mit der Schulzeit , sondern schon viel früher an. Selbst meine 20 Monate alte Tochter weiss das sie auf einer Straße ohne Fussweg an die Seite gehen muss, wenn sich ein Auto nähert.

Paradoxerweise widerspricht sich Frau Jung selber in dem  sie sagt:

Im Großen und Ganzen ist der Schulweg aber nicht unsicherer als vor zehn oder 20 Jahren. In der Regel gibt es keinen Grund, nicht zur Schule zu laufen.

Tatsächlich gab es 1995 in der BRD 40.404 gemeldete PKW. Im Jahr 2018 waren es 46.475. Seit 1960 steigen mit einer einzigen Ausnahme (2007 /2008) die Zahlen der gemeldeten PKW stetig an. Mehr PKW bedeutet mehr Verkehrsaufkommen und somit natürlich einen Schulweg der unsicherer ist als vor 10 oder 20 Jahren. Und daran dürften nicht alleine die Taxieltern Schuld sein.

 

Mein Fazit

Ich kann für mich selber nur Schlussfolgerung, dass es Entscheidung der Eltern ist wie Ihre Kinder zur Schule gelangen. Ich schreibe schließlich auch Niemanden vor, wie er zum Einkaufen oder zur Arbeit kommt. Darüber hinaus sollte man generell darüber nachdenken das Fahrradfahren in unserem Land attraktiver und vor allem sicherer zu machen. Dann würden vielleicht nicht nur mehr Kinder mit dem Fahrrad zur Schule fahren, sondern die Innenstädte weniger Co2 -Ausstoß verzeichnen müssen.

Wir werden unsere Tochter in der ersten Klasse sicher nicht alleine zur Schule gehen lassen und sie sehr wahrscheinlich mit dem Auto bringen. Die zukünftige Schule liegt sowohl auf meinem, wie auch auf dem Arbeitsweg des Papas . Und wenn ich dann das Prädikat „Helikoptermutter“ verliehen bekomme, dann ist das so. Damit kann ich leben. Das mein Kind an einer stark befahrenen Hauptstraße verunglückt, damit werde ich nicht leben können.

Hier könnt Ihr das Interview mit Frau Jung im Spiegel nachlesen:

http://www.spiegel.de/auto/aktuell/elterntaxis-es-gibt-keinen-grund-nicht-zur-schule-zu-laufen-a-1199154.html

Wie steht ihr zu dem Thema? Gibt es bei Euch eine besondere Sotuation, die Euch zu dem einen (das Kind mit dem Auto zur Schuke bringen) oder zu dem anderen Weg (Das Kind in der ersten Klasse bereits alleine zur Schule gehen lassen) bewogen haben?

 

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Ein Kommentar zu „Elterntaxi – und was ich darüber denke

  1. Interessanter Bericht … und da deine Tochter keine 2 ist auch sehr früh 😂.
    Mir war bisher nicht bewusst, dass der Hauptgrund für Elterntaxis das (gefährlich hohe) Verkehrsaufkommen ist.
    Ich dachte das wäre eher die Angst, dass das Kind in ein fremdes Auto gezerrt wird.
    Ich glaube allerdings auch, dass solche Entscheidungen extrem Situationsabhängig sind.
    Meine Familie ist in der glücklichen Situation, dass wir innerhalb einer (Groß-)Stadt leben, welche Fahrrad-freundlich ist und wo wir sowieso die meisten Strecken mit Fahrrad bewältigen. Das wäre bei einer zukünftigen Wohnungssuche auch immer ein Ziel von mir. Dass das natürlich nicht immer geht oder gewünscht ist ist klar.
    Meine Großcousinen 7 und 11 fahren beispielsweise jeweils alleine mit dem Bus zur Schule und das finde ich super. Allerdings ist der Bus oft so voll, dass er nicht mal mehr anhält. Da verstehe ich, wenn die Kinder per Auto gebracht werden.
    Man sieht also wie extrem unterschiedlich die Beweggründe sind und solche Artikel decken dass kaum ab.
    Fakt ist aber auch, dass wir gegenüber einer Grundschule wohnen und ich schon kaum noch zählen kann wie oft uns ein Seitenspiegel abgefahren oder ein Kratzer in den Lack gefahren wurde, weil die Mütter (Klischee!) mit ihren riesigen SUV und Familienkutschen überfordert sind. Mit konstanten halten im Parkverbot und der Feuerwehrzone verstopfen sie unsere Straße und erhöhen definitiv das Verkehrsrisikio.
    Mein Ziel wird es also definitiv sein das Kind zu einem selbstständigen Menschen heranwachsen zu lassen … mal schauen wie der Schulweg da rein zählt. Sind ja noch ein paar Jahre 😊

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