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Isabellas Geburt

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In den letzten 2 Wochen wurde ich immer wieder gefragt, wie die Geburt gewesen sei. Im Vorfeld berichteten mir Mütter gefragt und ungefragt, dass man die Schmerzen der Geburt ganz schnell wieder vergessen hätte wenn man das kleine Bündel endlich in seinen Armen halten würde. Nach der Geburt unserer Tochter drängt sich mir der Verdacht auf, dass viele Frauen sie Situation im Nachhinein verklären oder schön reden. Ich für meinen Teil werde diese unsagbaren Schmerzen für den Rest meines Lebens nicht vergessen. Eines Tages wird die Erinnerung daran vielleicht verblassen, aber vergessen – unmöglich.

Eher für mich, als für Andere habe ich nun den Geburtsbericht geschrieben. 2 Wochen nach der Geburt unserer Tochter habe ich endlich etwas Zeit und Ruhe gefunden mich noch einmal mit dem Erlebten auseinander zu setzen. So nutze ich den tiefen und lagen Mittagsschlaf unseres kleinen Wunders um die letzten Stunden als Schwangere noch mal an mir vorbei ziehen zu lassen.

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Wehenaktivität – Tage vor der Geburt

Alles fing mit leichten Rückenschmerzen am Donnerstag den 8. September an, die immer wieder regelmäßig kamen. Ich hatte bereits davon gehört, dass es Frauen gibt, die Wehen vor allem im Rücken spüren. Bereits einen Tag davor war mir so unwohl, dass ich meinen Termin beim Physiotherapeuten absagen musste. Bereits vor 3 Wochen vor dem ET sagte ich „am 11. September wird sie kommen“. Das es dann auch wirklich so kommen sollte konnte ich damals noch nicht ahnen.

Ist das jetzt Fruchtwasser was ich verliere?

Freitag Abend dachte ich dann ich würde ganz leicht Fruchtwasser verlieren. Inzwischen waren die schmerzen stärker geworden und wir fuhren sicherheitshalber ins Krankenhaus, wo es dann aber nach einem ctg und einer kurzen Untersuchung Entwarnung gab. Wahrscheinlich würde es sich um Übungs- oder Senkwehen handeln (Ich erhielt also einen Vorgeschmack auf echte Wehen. Unverrichteter Dinge aber mit dem vagen Gefühl, dass es bald losgehen würde fuhren wir wieder heim.)

Der erste Besuch im Krankenhaus

Samstag Morgen waren die Schmerzen dann schon so stark, dass der Herzmann die morgendliche Hunderunde übernehmen musste. Gegen Abend wurden die Abstände zwischen den Wehen immer kürzer, so dass ich gegen 8 Uhr Abends den Herzmann bat ins Krankenhaus zu fahren. Diesmal waren Wehen auf dem CTG zu sehen und auch der Muttermund war 2 cm offen. Die diensthabende Hebamme wollte mich auch sofort da behalten, nach dem Schichtwechsel sagte man uns dann allerdings wir sollten uns doch 1 1/2 bis 2 Stunden bewegen und dann würde noch mal geschaut werden ob sich etwas getan hätte. Nach einer großen Runde um den Block entschieden wir erst mal zum großen goldenen M zu fahren, da wir beide noch nichts gegessen hatten. Inzwischen hatte sich auch meine Schwester auf den langen Weg von Hannover gemacht, um mir bei der bevorstehenden Geburt zur Seite zu stehen. 2 Stunden und 2 Portionen Pommes später zeigte sich keine Veränderung auf dem CTG und da wir quasi um die Ecke wohnen durften wir nach Hause fahren.

Eine Nacht voller Schmerzen

Während meine Schwester, die uns inzwischen erreicht hatte und der Herzmann einige Stunden Schlaf genießen konnten, irrte ich unter Schmerzen und Gestöhne durch die Wohnung, bis ich es schließlich nicht mehr aushielt und gegen 6 Uhr beide wach machte , damit man mich ins Krankenhaus fahren konnte wo man hoffentlich etwas gegen meine Schmerzen tun konnte.

Der Herzmann kannte die ganze Prozedur inzwischen schon: CTG und Muttermund-Kontrolle , Letzterer der inzwischen bei 6 cm war. Juhuuu es konnte also losgehen.

Die nächsten 1 1/2 Stunden verbrachte ich selig in der Badewanne des Krankenhauses, die Schmerzen wurden erträglicher aber mir war klar, dass wenn es bald weitergehen sollte, ich mich von meinem gemütlichen Badenixen-Dasein verabschieden musste.

Ab in den Kreißsaal

Am späten Sonntagmorgen zogen wir also zu Dritt in den Kreißsaal um. Naiv wie ich war , hatte ich im Vorfeld felsenfest behauptet ich würde ohne PDA gebären wollen. Doch schneller als gedacht hing ich dann schon am Lachgas. Meine Wehen waren allerdings zu Beginn so heftig, dass ich keine Chance hatte, das Lachgas vor dem Höhepunkt der Wehe einzuatmen und somit den Schmerzen vollends zu entgehen. Ich schrie förmlich in die Maske , aus der das Lachgas strömte, und nahm teilweise so tiefe Züge, dass ich kurz vor der Ohnmacht stand.

Irgendwann war dann auch klar, dass der Anästesist kommen musste um mir eine PDA zu legen. Und es war mir in diesem Moment so schnurzpiepegal was ich Monatelang vorher behauptet hatte. Ich schrie förmlich nach dem Arzt und das er mich endlich endlich von diesen Schmerzen erlösen müsse. Ich schrie sicher auch noch einige andere unschöne Dinge, an dich ich mich allerdings nicht mehr erinnern kann oder möchte.

Wo sind die Wehen hin?

Leider traf bei mir dann genau das ein, was oft nach dem legen einer PDA passiert: Die Wehen wurden schwächer und ich musste an den Wehentropf. Inzwischen waren die weniger werdenden Wehen aber nicht mein einziges und größtes Problem. Unsere Tochter hatte sich dazu entschieden nicht aus Mamas gemütlichen Bauch herauszuwollen und sich schräg gelegt. Ein halber Sternengucker sozusagen. Leider waren sich Hebammen und Ärzte nicht ganz darüber einig ob sie nun links oder rechts lag und ich stellte mir die Frage, wie man in seiner beruflichen Laufbahn überhaupt so weit kommen konnte, wenn man offenbar nicht mal den Unterschied zwischen rechts und links kannte. Nun sollte ich es mit Wehen auf der rechten Seite liegend probieren, und mit Wehen auf der linken Seite liegend. Dazu muss ich sagen, dass die Wehen immer noch schmerzten, da meine linke Seite offenbar nicht so gut betäubt wurde wie die rechte ( Von wegen bei einer PDA spürst du keinerlei Schmerzen mehr).Die kleine Maus blieb jedoch stur. Irgendwann kniete die diensthabende Ärztin auf meinem Bett und im nachhinein erzählte mir der Herzmann , dass sie mit Ihrem Ellenbogen versuchte unsere Tochter ins Becken zu schieben (ich hatte jedoch keinerlei Erinnerungen mehr daran). Man versuchte die kleine also von außen zu drehen und in die richtige Position zu bringen. Inzwischen hatten glaube ich alle die Schnauze voll und wollten nur noch dieses Baby zur Welt bringen. Das die Ärztin dann aber in einem ungehaltenen und völlig unangebrachten Ton meinte “Das Kind muss jetzt endlich mal da raus” werde ich nie vergessen.

Wir näherten uns dem Ende der Geburt, die Presswehen setzten ein, zumindest war es von der Natur aus so vorgesehen. Mir kam es vor als würde ich um mein Leben pressen und ich flehte meine Tochter an, doch endlich auf die Welt zu kommen. Leider verebbten dann auch die Presswehen vollends und ich presste unsere Tochter ohne jede Wehenaktivität auf diese Welt. Das Köpfchen war bereits zu sehen und die Hebamme hatte wirklich die Ruhe weg und sagte “Ich sehe das Köpfchen schon, mit ganz vielen Haaren, möchten sie mal spüren ?”. NEIN – schnauzte ich sie an, ich wollte nur das sie endlich auf die Welt kommt, für Schmuseeinheiten wäre später sicher noch genug Zeit. Die hatten wirklich Nerven, erst ging es der Frau Ärztin nicht schnell genug, und nun sollte doch noch Zeit zum Köpfchen tätscheln sein. Schön, dass das Fachpersonal sich auch hier wieder einig gewesen ist.

Pures Glück in meinen Armen

Und dann war sie da, unsere wunderbare Tochter. Sie schrie wie am Spieß und als ich die Worte “Nabelschnur um den Hals” und “grünes Fruchtwasser” hörte , war mir als würde mein Herzschlag für einen kurzen Moment aussetzen. Offenbar gerade noch rechtzeitig erblicke unsere Tochter das Licht der Welt. Als sie in meinen Armen lag spürte ich eine Welle des Glücks über mich herein brechen, und ich wusste das man dieses Glück  nur einmal in seinem ganzen Leben spüren würde. Schmatzend lag sie in meinen Armen und ich wusste : Alles ist gut. Endlich!

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Ende gut alles gut…

Der lange steinige Weg den wir die letzten 2 Jahre gemeinsam gegangen sind hat mit dem 11. September 2016 ein Ende gefunden. Isabellas Brüder waren mir an diesem Tag so nahe wie schon lange nicht mehr, Ihre schützenden Engelsflügel haben sie über Ihre Schwester gehalten und uns das größte Glück auf Erden geschenkt. Ich freue mich auf die nächsten gemeinsamen Jahre mit dem Herzmann und unserer Tochter. Wenn sie Nachts schreit oder nicht schlafen möchte, wenn sie knöttert oder quängelt, dann schaue ich in Ihre klugen Augen und versuche zu begreifen welch Glück ich habe dieses Wunder in den Armen halten zu dürfen. Keine Anstrengung ist zu groß , keine schlaflose Nacht zu lang denn du weist wofür du es tust…

schriftzug-mary

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9 Kommentare zu „Isabellas Geburt

  1. Eieiei, ich wollte bei Junior auch nie eine PDA. Ich habe sogar die Hebamme ausgelacht und gesagt: wenn das Wehen sind, sitze ich die Geburt auf einer Pobacke ab. Ihre mitleidigen (im Nachhinein wissenden Blicke) habe ich schlicht ignoriert. Als dann aber die Fruchtblase platzte und Junior mit seinem Dickschädel förmlich auf den Muttermund knallte, habe ich meine Meinung geändert, schnell, sehr schnell. Zum Glück war die Hebamme nicht nachtragend 😂

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    1. Oh ja die guten Hebammen 😂 Ich habe solch einen Respekt vor diesem Berufsstand…mir tat der Anästhesist sehr leid…ich glaube ich war nicht gerade freundlich zu ihm…am nächsten Tag hätte ich mich fast bei ihm entschuldigt

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  2. Ach Liebes, ich sitze hier mit Tränen in den Augen und schreibe dir, die Jungs friedlich grunzend neben mir.
    Da habt ihr ja wirklich was erlebt!! Meinen größten Respekt an dich! Und eine PDA ist absolut keine Schande oder so- selbst wenn sie zu 100% gewirkt hätte.
    Ich bin sehr erleichtert, dass es eurer Prinzessin gut geht, wenn man bedenkt, dass sie die Nabelschnur um den Hals hatte und das Fruchtwasser schon grün war. Einfach wunderbar wie ihre Brüder auf sie Acht gegeben haben und auch ganz sicher weiterhin werden.

    Ich wünsche euch alles Glück der Erde und auch mir geht es so, dass jedes Weinen, jedes Gemotze und der wenige Schlaf für mich ein Geschenk sind und ich das gerne erlebe. „… denn du weißt wofür du es tust.“ ❤

    Gefällt 1 Person

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