Allgemein · Sternenkinder · Sternenmama - Tagebuch

Der ET meines Sternenkindes

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Für jede Frau die Ihr Kind noch im Mutterleib verloren hat ist der Tag des errechneten Geburtstermins ein ganz besonders emotionaler Tag. Wochenlang kreisen die eigenen Gedanken um diesen Tag an dem man das schönste Geschenk auf Erden endlich in den Händen halten sollte. Dieser Tag rückte auch für mich seit Wochen und Monaten unaufhörlich näher und je weniger Tage bis dahin verblieben, desto angespannter und trauriger wurde ich. Ich habe mir diesen Tag frei genommen um ganz bewusst an mein Sternenkind denken zu können, und um einige kleine Rituale vorzunehmen. Für mich ist dieser Tag heute gekommen, und er bedeutet für mich auch einen wichtigen Schritt in meiner Trauerbewältigung.

Mit gemischten Gefühlen bin ich heute Morgen aufgewacht. Heute wäre der der Tag gewesen, an dem unser Sternenkind Henry seinen erechneten Termin gehabt hätte. Genau 5 Monate nach seiner stillen Geburt . Ich frage mich, ob er sich vielleicht früher auf den Weg gemacht hätte, weil er ein ungeduldiges Kind gewesen wäre, oder ob ich heute noch mit einem 40-Wochen-Bauch auf dem Sofa gesessen hätte und noch einige Tage auf ihn hätte warten müssen. Ich frage mich, ob er eher seinem Papa oder mir ähnlich gesehen hätte, meine Augen oder die des Herzmanns gehabt hätte. Wie lang hätte die Geburt gedauert? Wärst du auf natürlichen Wege zu uns gekommen oder hätte man einen Kaiserschnitt vornehmen müssen? Doch all diese Fragen ändern nichts daran, dass du uns vorausgegangen bist.

Seit Tagen habe ich Angst vor diesem Tag. Denn seit dem 10 Januar – dem Tag an dem ich den positiven Schwangerschaftstests unseres Folgewunders in der Hand hielt- ist mein Herz hin- und hergerissen. Ich schwanke täglich zwischen der Freude, dass ein neues Leben in mir heranwächst und der oftmals tiefen Traurigkeit darüber, dass das Herzchen unseres Henrys nicht mehr unter meiner Brust schlägt. Ich fühle mich schlecht, weil eigentlich Du lieber Henry es sein solltest der unter meinem Herzen liegt, und ich fühle mich schlecht wegen Baby Lou das ich diese Gedanken habe. Ich hoffe das keiner von meinen beiden Kindern mir deswegen böse ist.

Ich sitze vor Henrys Erinnerungsbox , nehme seinen Mutterpass in die Hand, seinen ersten Strampler , den ich nach den ersten 12. Wochen gekauft hatte ohne zu ahnen, dass auch nach dem überstehen der ersten kritischen Wochen wie man sie nennt, einen das Schicksal immer noch einholen kann. Ich erinnere mich an die wunderschönen Momente: Als ich dem Herzmann von unserem kleinen Schatz erzählte ,als ich sein Herz das erste mal schlagen sah , als wir seinen Kinderwagen aussuchten, und als wir wenige Tage vor seiner Geburt zusammen mit seiner Oma und seinem Opa diese niedliche Jeans für ihn kauften. Meine Tränen fallen auf den Boden und ich hab ein wehmütiges Lächeln im Gesicht.

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Mir wird klar das die Liebe soviel unendlicher ist als alles irdische. Sie geht weit über das hinaus was wir verstehen und begreifen können. Sie schafft ein Band zwischen den Welten , zwischen dem Diesseits und dem Jenseits, zwischen Leben und Tod. Sie lässt uns in der schweren Zeit der Verzweifelung und des Kummers einen kleines , helles Licht zukommen: Das Licht der Hoffnung . Es erwärmt das Herz der Trauernden und immer wenn ich an Dich denke ist es da: das Gefühl unendlicher Liebe . Solange ich lebe und darüber hinaus , wird nichts und niemand dieses Licht in meinem Herzen löschen können.

Heute Vormittag habe ich das Sternenkindergrab in meiner Wahlheimat Köln Porz besucht. Ich hatte das Bedürfnis dir , mein geliebtes Sternenkind, nah zu sein und wählte dazu diesen besonderen Ort. Auf dem kleinen zentralen Friedhof gibt es einen kleinen Bereich der nur den Sternenkindern (den fehl- und totgeborenen Kindern) gewidmet ist. In der Mitte befindet sich ein riesiger Stein, der inmitten eines großen Sternes steht. Unter einem Baum steht eine Bank auf der ich einige Zeit verweilte, nachdem ich mir all die Erinnerungssteine und Grabbeigaben wie Engel und Spielzeug angeschaut hatte. Ich stellte deine Erinnerungskerze, die ich zusammen mit deinem Papa gestaltet hatte, zwischen all die anderen Kerzen und ließ meinen Tränen freien lauf.

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Heute Abend werden wir dir einen ganz besondern Gruß in den Himmel schicken über den du dich hoffentlich freuen wirst. Ich vermisse dich seit 5 Monaten jeden Tag und für den Rest meines Lebens.

schriftzug-mary

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4 Kommentare zu „Der ET meines Sternenkindes

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