Allgemein · Sternenmama - Tagebuch

Die Frage nach dem Warum

trauer

Endlich haben wir die Antwort auf die Frage nach dem „Warum“ erhalten. Zumindest in medizinischer Hinsicht wissen wir nun, warum ich 1 Fehlgeburt und eine späte Fehlgeburt erleiden musste. Der Obduktionsbericht unseres kleinen Henry ließ eine starke und massive Unterversorgung durch die Plazenta erkennen. Die Ursache dafür erfuhr ich nach der Auswertung meiner Blutergebnisse beim Gerinnungsspezialisten. Ich hatte schon seit der Blutabnahme Ende Dezember so ein merkwürdiges Gefühl. Dank dem World Wide Web kann man sich ja tatsächlich einiges zu dem Thema anlesen, und immer wieder tauchte da die „Faktor- V – Mutation“ auf. Das Gespräch mit dem Gerinnungsspezialisten bestätigte dann mein flaues Gefühl: Auch ich habe den Gendefekt, dem eine Punktmutation im Gen für Faktor V, eines Proteins, das eine wichtige Rolle in der Blutgerinnung spielt, zu Grunde liegt.

Was genau läuft falsch in meinem Körper?

Dabei kommt es zu einem Ungleichgewicht an gerinnungshemmenden und gerinnungsfördernden Einflüssen, wodurch die Neigung, Thrombosen zu entwickeln, zunimmt .Das ganze wird dann kurz Thrombophilie genannt.
Durch die Faktor-V-Leiden-Mutation kommt es zur sogenannten APC-Resistenz. Keine Seltenheit in Europa, denn diese Mutation ist die häufigste genetisch bedingte Thrombophilie. In Deutschland tritt diese Mutation bei ca 7% der Bevölkerung auf. Die Schwere der Erkrankung hängt, allerdings davon ab,ob beide Eltern (homozygot) oder nur ein Elternteil (heterozygot) das veränderte Gen weiter gegeben haben. Sollte das defekte Gen von beiden Elternteil vererbt wurden sein steigt das Risiko für eine Thrombose um das 50 bis 100 fache. Diese Mutation tritt wesentlich seltener – nämlich nur bei 0,2 % der Bevölkerung auf.

Was heißt das nun für mich?

In Zukunft werde ich sehr frühzeitig (das heißt nicht erst ab der Bestätigung einer Schwangerschaft sondern bereits ab dem Eisprung ) jeden Tag Heparin spritzen müssen. Heparin löst Blutgerinnsel und hemmt die Blutgerinnung. Die ersten 20 Wochen sorgt das Heparin dafür, dass mein Baby sich zeitgerecht entwickelt. Danach spritze ich mir das Heparin vor allem zum eigenen Wohl, um keine Thrombose zu erleiden. Schwangere vertragen das Medikament gut und das Wichtigste : Das ungeborene Kind wird durch das Medikament nicht geschädigt.

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Wie stehen die Chancen?

Natürlich wollte ich vom Gerinnungsspezialisten wissen wie die Chancen bei einer erneuten Schwangerschaft stehen. Er konnte mich beruhigen, dass zumindest Gerinnungstechnisch keine Gefahr mehr bestehen wird. Er erzählte mir von einer Patientin die 7 Fehlgeburten erlitten hat. In der 8. Schwangerschaft spritze sie sich Heparin und bekam ein gesundes Baby.
Natürlich ist es eine riesen Überwindung sich jeden Tag eine Spritze in den Bauch zu setzen (bei einer erneuten Schwangerschaft werde ich allerdings ab einem gewissen Punkt auf die Oberschenkel ausweichen müssen). Ich bin das erste Mal froh, dass ich in den letzten Monaten einige Kilos zugenommen habe. Bei meiner einst sehr sportlichen Figur hätte ich kaum Fettdepots für die spitze Nadel nutzen können.

Wie geht es mir damit?

Seit dem ich nun bei dem Gerinnungsspezialisten in Behandlung bin, seit dem Gespräch letzte Woche schaue ich wieder positiv in die Zukunft. Gleichzeitig bin ich traurig, dass ich 2 Mal eine Fehlgeburt erleben musste bevor man aus ärztlicher Sicht nach einem Grund sucht. Wahrscheinlich habe ich paradoxer Weise auch noch Glück im Unglück gehabt. Hätte es unser geliebter Henry nicht bis in die 19 Schwangerschaftswoche geschafft, sondern wäre vor der 12 Woche verstorben, hätte vielleicht nach 2 frühen Fehlgeburten Niemand die Notwendigkeit gesehen medizinische Untersuchungen diesbezüglich vornehmen zu lassen. Tatsächlich habe ich schon von Frauen gehört, die sich nach 2 Fehlgeburten den Satz von Ihrer Ärztin anhören mussten „Untersuchungen werden erst vorgenommen wenn sie eine weitere Fehlgeburten erleiden“. Vielleicht verdanken wir der Stärke unseres Henry endlich bei einem Folgewunder ein gesundes Kind in den Armen halten zu dürfen. So tröstet mich der Gedanke, dass unser Henry nicht „umsonst“ gestorben ist. Wir wissen nun woran es lag und können bei einer erneuten Schwangerschaft mit großen Erfolgschancen dagegen wirken. Dennoch wird der Schmerz zwei Kinder verloren haben nie wirklich weniger werden. Fest in unseren Herzen lebt Ihr weiter.

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8 Kommentare zu „Die Frage nach dem Warum

  1. Es macht mich so wütend, dass man laut kk erst nach 3 Fehlgeburten untersucht werden soll 😱😱😱 die schicken einen wissentlich 3x durch die Hölle 😢😫 ich wurde untersucht, aber nur weil ich mir die Überweisung ein wenig erbettelt habe… Es ist so unfassbar. Ich drücke euch für die Zukunft alle Daumen 💝

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    1. Ja da hast du Recht. Ich kann es auch nicht verstehen, warum man es nicht zumindest als Zusatzleistung anbietet. 1000 Untersuchungen kann man in einer Schwangerschaft machen lassen, einige wie das Erstsemester-Screening nicht mal mit einer aussagekräftigen Aussage. Warum bietet man nicht eine Untersuchung auf Gerinnungsstörungen zumindest an – ob man sie dann machen lässt und selbst bezahlt kann man dann ja selber entscheiden. Aber nein, wie du schon sagtest,stattdessen werden Frauen bewusst noch mal durch diese Hölle geschickt

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  2. Eine Antwort auf das Warum zu bekommen ist gut und noch besser ist es wenn es Lösungen gibt. Für die Zukunft wünsche ich die alles gute!!

    Ich musste auch schon drei Kinder gehen lassen, weil wir aber schon eine große bei uns haben wurde bei mir nie was untersucht. Ich hab eine Zeit lang versucht zu kämpfen eine Antwort auf das warum zu bekommen aber irgendwann fehlte mir dann die Kraft dazu weiter zu machen.

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    1. Vielen dank für deine lieben Worte. Ich kann es gar nicht glauben, dass man bei dir nie etwas untersucht hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass alle 3 Fehlgeburten „zufällig“ passiert sind, ist doch sehr gering. Das macht mich unendlich traurig. Bei mir wurde wie gesagt eine Gerinnungsstörung festgestellt, und diese ist tatsächlich häufig die Ursache für Fehlgeburten.
      Liebe Grüße und alles Gute auch für dich

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  3. Liebe Mary,

    ich freue mich, dass eine Ursache für den Verlust Deiner Kinder festgestellt wurde und dass dies Dir und Deinem Mann die Kraft und positive Einstellung gibt, es nochmal zu versuchen! Ich drücke alle Daumen und wünsche Euch von Herzen alles Gute!

    Meine beste Freundin wusste zum Glück vor ihrer ersten SS, dass sie diese Gerinnungsstörung hat und wurde entsprechend gleich richtig behandelt. Sie hat zwei gesunde, tolle Kinder. Ihre Schwester musste leider auch erst 2 oder 3 Fehlgeburten verkraften, bis mal jemand auf die Idee gekommen ist, dass diese Gerinnungsstörung ja erblich ist und das ja in der Familie liegt… Heute hat sie, dank der Heparin-Spritzen auch eine süße Tochter.

    Liebe Grüße und weiterhin alles Gute!
    Antje

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    1. Liebe Antje, vielen dank für deine lieben und aufbauenden Worte. Ich bin schockiert und traurig zugleich zu lesen, dass die Schwester deiner Freundin auch dieses Schicksal erfahren musste, obwohl es hätte verhindert werden können.

      Liebe Grüße
      Mary

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      1. Da hast Du völlig Recht. Mir ist bis heute nicht klar, warum das nicht früher abgeklärt wurde. Ich erinnere mich, dass die Zeit damals sehr schwer war für sie. Meine Freundin hat mir oft davon erzählt. Eine Erfahrung, die man niemendem wünscht! Wenigstens gab es ein versöhnliches Ende.

        Liebe Grüße und ich werde immer mal wieder in deinem Blog rein schauen! 🙂

        Antje

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