Allgemein · No mommy is perfect

Wie mein Vorsorgetermin zu einer Reise in die Vergangenheit wurde

Gestern musste ich mich trotz des Lockdown in die Millionenstadt Köln begeben. Ich hatte meinen jährlichen Frauenarzttermin. Letztes Jahr hatte ich keinen Vorsorgetermin wahrgenommen und so wurde es Zeit dafür. Die ganze Fahrt dorthin war etwas „Strange“. Ich vermeide seit knapp einem Jahr die Nutzung des ÖNV wo es nur geht, der Zug war durch den Lockdown auch entsprechend leer. Gruselig fand ich nur die Durchsage der Deutschen Bahn bezüglich des Mundschutztragens. Ich dachte nur „hoffentlich kommt jetzt nicht alle 5 Minuten so eine Durchsage, dann steige ich wieder aus „.Erinnerte mich irgendwie an einen schlechten Horrorfilm. Auch wenn ich im Einzelhandel arbeite (der noch geöffnet hat ) und jeden Tag mit der Situation konfrontiert werde , kam es mir alles so unwirklich vor. Mir schlich sich wieder dieser Gedanke in den Kopf „Wenn mir DAS vor einem Jahr jemand erzählte hätte, das alles so kommen würde wie es kam mit der Pandemie, ich hätte alles dagegen gewettet was ich besitze“. Gut das keiner auf die Idee kam mit mir solch eine Wette einzugehen.

Zurück zum Thema.

Während meiner Schwangerschaft mit unserem Regenbogenkind war ich alle 4 Wochen bei meiner Frauenärztin. Danach lies ich es offenbar schleifen. Ich war doch recht überrascht als man mir sagte das ich 2017 das letzte Mal in der Praxis gewesen bin. Ich bat die Ärztin doch noch mal nachzuschauen, was sie auch tat : „2017 tatsächlich , aber sie hatten ja auch andere Dinge zu tun“ waren Ihren nachsichtigen Worte auf diese Bitte hin.Trotzdem begrüßte man mich bereits am Empfang wie eine alte Bekannte . Als man mich aufforderte im Wartezimmer Platz zu nehmen war ich leicht irritiert, weil es sich nicht mehr dort befand wo ich es in Erinnerunng hatte. (Naja es waren ja auch fast 4 Jahre vergangen , seitdem ich das letzte Mal hier gewesen bin. Also eigentlich nicht verwunderlich ). Tatsächlich hatte man in der Praxis etwas umgebaut. Ich musste kurz schlucken als ich das neue Wartezimmer betrat. Es war jenes Zimmer in dem ich 2015 nach der stillen Geburt von Henry geführt wurde. Damals war es eine Art Ruheraum und weil die Arzthelferinnen und die Ärztin damals genauso geschockt waren wie ich, durfte ich damals erst einmal alleine in diesem Zimemr warten. Eine Wohltat, denn für eine frischgebackene Sternenmama gibt es keine schlimmere Vorstellung als beim Frauenarzt womöglich mit glücklichen Schwangeren gemeinsam auf den Nachsorgetermin warten zu müssen. Kurze Zeit später betrat dann auch eine hochschwangere Frau das Wartezimmer und tippte die ganze Zeit auf dem Handy rum, bewegte sich nervös im Raum und wurde dann endlich aufgerufen.

Ich betrachete während des Wartens den Hinterhof, die Häuser von Köln . Der Stadt in der ich viele Jahre gelebt hatte. Die Stadt in der ich mein erstes Kind in der 10. SSW verlor, in der ich unsere Tochter Isabella zur Welt brachte . Die Stadt in der ich 10 Monate lang alle 4 Wochen zur Gerinnungspraxis ging um sicher sein zu können , dass es meinem dritten Kind gut ging. Es fühlte sich ein wenig wie nach Hause kommen an. Meine Ärztin fragte auch direkt nach Isabella, wie alt sie jetzt sei und wie es ihr ginge in dem ganzen Lockdown. Die Frauenarztpraxis bekam damals die zweite Karte nach der Geburt von Isabella. Die erste bekam der Gerinnungsmediziner, denn ohne diese 2 Ärzte würde ich heute nicht mit diesen wunderbaren 4 Jährigen Mädchen Hand in Hand durch die Welt gehen.

In Deutschland ist es leider so, dass die Krankenkassen in der Regel erst nach 3 Fehlgeburten die Kosten für weitere Untersuchungen hinsichtlich der Ursachenforschung bezahlen, oder die Ärzte einfach erst nach 3 Fehlgeburten tätig werden. (Woher diese Aussage stammt ist mir selber nicht ganz klar. Es gibt soweit ich weiß bei den Krankenkassen keinen Leistungskatalog über Therapien und Untersuchungen bei habituellen Aborten . Vielmehr lautet z.B. die Aussage meiner KK dazu, dass die Ärzte entscheiden wann welche Unteruschungen nötig sind. Dennoch kenne ich viele Frauen die genau von dieser 3 – FG – Regel berichten ).

Wer aufmerksam meine Geschichte verfolgt hat, der weiß das ich die ersten Unteruschungen nach der 2. Fehlgeburt bekam. Meine Frauenärztin gab mir im November 2015 eine Überweisung zur Gerinnungsmedizin , weil ihr die relativ späte Fehlgeburt unseres Henry in der 18 SSW nicht geheuer gewesen ist . Welch ein unglaubliches Glück für uns, wie sich kurze Zeit später herausstellen sollte. Im Dezember hatte ich den Termin in der Gerinnung, Mitte Januar sollte ich die Ergebnisse erhalten. Dazwischen wurde ich ganz unverhofft mit Bella schwanger. Vorsorglich schrieb mir meine Frauenärztin noch bevor die Ergebnisse der Gerinnung kamen ein Rezept für Heparin, dass ich jeden Tag spritzen sollte. Und wie sich dann im Januar herausstellte für den Rest der Schwangerschaft spritzen würde. Bei meinem jetzigen Besuch sagte ich ihr auch noch mal wie unendlich dankbar ich heute noch bin, dass sie mir so früh eine Überweisung zur Gerinnung gab. Hätte ich sie nicht bekommen, auch Bella wäre in meinem Bauch gestorben und ich hätte auch mein drittes Kind nie kennengelernt.

So schwelgte ich während des gestrigen Vormittages in Erinnerungen . Die stille des Zeitpunktes, ein verschneiter Januar- Morgen mitten im Lockdown einer Pandemie waren meinen Gedanken angemessen. Ich sollte mit meinem nächsten Vorsorgetermin nicht wieder solange warten. Eigentlich sollte ich sogar 2x im Jahr kommen. Meiner Gesundheit, meinem Körper zu Liebe und natürlich auch wegen meiner 4 Jährigen Tochter.

Ich werde auch nicht jünger , gehe auf die 40 zu und der Umfang der Vorsorgeuntersuchungen nimmt langsam aber stetig zu. Die Krebsvorsorge habe ich immer sehr ernst genommen, und mir ist es immer noch ein Rätsel wie ich so schludern konnte. Als ich nach Hause komme vermerke ich im Kalender , dass ich im Sommer einen neuen Termin für 2022 vereinbare .

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