Allgemein · No mommy is perfect

1 Jahr Corona –nicht alles ist schlecht [Gastbeitrag]

Wir sind eine 3-köpfige Familie und wohnen im Herzen der Schweiz. Während die Kinder mir in der Kita jeden Tag ein Lachen ins Gesicht zaubern, bringt mein Mann seine Kunden ebenfalls zum Lächeln. Denn er arbeitet als Tätowierer und bringt ein wenig Farbe ins Leben. Unser 3-jähriger Sonnenschein bereichert unseren Alltag ungemein und zusammen meistern wir die kleinen und großen Krisen des Lebens.


Rückblickend, März 2020:

Der Entscheid vom Bundesrat kam nicht unbedingt überraschend und trotzdem war es ein Schock. Schulen, Kosmetikstudios und Läden werden geschlossen, Kitas bleiben geöffnet. Als ich das hörte, war ich erstmal wütend, enttäuscht und großes Unverständnis machte sich in mir breit. Wie darf es sein, dass Lehrer und Schüler vom neuen Virus geschützt werden, wir in der Kita aber weiterhin dem Risiko ausgesetzt sind? Ich habe geheult und getobt.

Gleichzeitig bekam ich Angst. Existenzangst. Mein Mann arbeitet als Tätowierer. Das heißt, arbeitete er, weil die Studios ja auch alle geschlossen wurden. Wie sollten wir über die Runden kommen? Von einem Tag auf den anderen fehlte uns ein komplettes Einkommen. Meinen Mann traf die Entscheidung ebenfalls hart, doch entspannt wie er ist, schaffte er es, auch mich wieder auf den Boden zu holen (und eine gute Flasche Wein).

Am Montag in der Kita war der erste Gang natürlich ins Büro. Wie geht’s weiter? Was machen wir? Von fast 20 Angestellten kamen noch rund 10 zur Arbeit, der Rest gehörte der Risikogruppe an. Klar, wir hatten auch massiv weniger Kinder, da viele Eltern im Homeoffice arbeiteten und die Betreuung selbst übernahmen, doch um Überstunden kam niemand herum. Schließlich musste der Betreuungsschlüssel nach wie vor gewährleistet werden.

Während mein Mann also nun zu Hause die komplette Kinderbetreuung und den Haushalt schmiss, stockte ich mein Pensum von 60% auf fast 100% auf. Natürlich unter der Bedingung, dass mir die geleisteten Überstunden Ende Monat ausbezahlt werden.

Erstes Aufatmen

Mit den ersten Lockerungen durfte mein Mann zurück an die Arbeit. Doch es war nicht mehr dasselbe. Die Kunden blieben aus, Frustration machte sich breit. Im Dezember kehrte er dem Studio den Rücken zu.Nach einem vierwöchigen Urlaub und einer Corona Infektion ist er nun seit fast 3 Monaten auf Jobsuche. Er nimmt immer wieder Kundenaufträge entgegen, etwas Festes fand er bis anhin aber noch nicht.Wenn mir das vor einem Jahr jemand prophezeit hätte, ich wäre durchgedreht. Ohne festes Einkommen (bzw. nur mit einem) werden wir STERBEN (ja, ich neige zu Dramatik und mag (finanzielle) Sicherheit). Doch wir leben nach wie vor.

Gemeinsame Zeit dank Corona

Uns geht es besser als je zuvor. Wir dürfen so viel Zeit als Familie verbringen, gemeinsam kochen, spielen, lachen. Mein Sohn genießt die viele Papi-Zeit, ich genieße die Paar-Zeit. Früher verließ mein Mann das Haus um 10 Uhr und war nie vor 22 Uhr zurück. Kinderbetreuung? Putzarbeiten? Wäsche? Das lastete alles auf mir, denn die wenige Zeit, die wir als Familie hatten, wollte ich zu dritt genießen. Heute teilen wir uns alles auf. Ein bis zwei Tage kommt mein Sohn mit in die Kita, während Papa zu Hause den Haushalt schmeißt, einen Tag verbringen die beiden zusammen, ohne Mama und den Rest der Woche haben wir für uns als Familie.Natürlich werden wir so nie reich. Doch es reicht. Und wir haben etwas, dass sich wahrscheinlich viele Familien wünschen: Gemeinsame Zeit.Ich bin Corona-müde, Maßnahmen-müde, wünsche mir oft das „normale“ Leben zurück und doch bin ich auch unglaublich dankbar. Während Corona uns eine Tür zugeknallt hat, haben sich gleichzeitig ganz viele Fenster geöffnet.

Natürlich wünsche ich mir, dass mein Mann wieder einen festen Job findet, es muss aber keine 5 (oder schlimmer 6) Tage-Woche mehr sein. Denn wir dürfen gerade die Erfahrung machen, dass es soviel wichtigeres gibt im Leben.


Lieben Dank an Corina für Ihren Gastbeitrag. Wer gerne mehr über Sie und Ihre Familie lesen möchte, der sollte unbedingt auf Ihren Blog vorbeischauen:https://mama-kann-das.com/

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