Allgemein · Sternenkinder · Sternenmama - Tagebuch

Und, das wievielte Kind ist es?

Vor einigen Wochen noch hätte ich auf diese Frage wohl völlig anders reagiert als heute. Meine Reaktion hätte irgendwo zwischen stottern, Tränen in den Augen oder dem simplen Leugnen der Wahrheit gelegen.

Derjenige, der die Frage stellt, denkt sich nichts dabei. Vielleicht möchte jemand nur Konversation betreiben, nett sein, oder es besteht tatsächlich Interesse an der Antwort.

Noch ehe ich mir darüber Gedanken machen konnte kam auch schon die Antwort aus meinem Mund „Es ist meine dritte Schwangerschaft , ist aber dann unser erstes Kind“.

Ich rechnete mit betroffenen Schweigen, einem Themenwechsel aber nicht mit der offenen und ehrlichen Aert meines Gesprächspartners ( vor allem weil es ein Mann war, und ich in den letzten Monaten die Erfahrung gemacht hatte, dass vor allem Männer nicht mit diesem heiklen Thema umgehen können. Wobei es natürlich auch Frauen gibt auf die dies zutrifft. Es ist immer so schwer nicht zu pauschalisieren, und doch ist es mir gerade wieder passiert). Wir redeten ein wenig darüber, dass alle 3 Kinder absolute Wunschkinder gewesen sind, das diesmal sicher alles gut gehen würde, weil ich ja Medikamentös sehr gut eingestellt bin. Schließlich wünschte man mir alles Gute für die Schwangerschaft.Am Ende des Gesprächs waren wir nicht mehr beim „Sie“ sondern beim „Du“ angelangt und ich hatte ganz nebenbei das Angebot einer Patenschaft für das Kind bekommen.

Erst im Nachinein, als ich das ganze Gespräch noch einmal Revue passieren ließ wurde mir bewusst wie locker ich mt dieser Frage umgegangen war , und ein klein wenig Stolz keimte in mir auf. Ja , ich bin das dritte Mal schwanger, die beiden ersten Schwangerschaften waren eben solche glücklichen Wochen und Monate und haben es verdient nicht unerwähnt zu bleiben. Vor allem aber haben es meine 2 Sternenkinder verdient, dass sie nicht totgeschwiegen werden, sondern dass man offen über sie redet. Immerhin wäre ich ohne Sie jetzt nicht mit Baby Lou schwanger, hätte manche Menschen nicht kennengelernt und auch nicht erfahren auf welche Menschen ich in meinem zukünftigen Leben gut und gerne verzichten möchte.

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Mir ist bewusst, dass ich nicht immer auf solche positive Reaktionen treffen werde wenn ich über meine Fehlgeburt und meine stille Geburt rede, aber auch damit werde ich lernen umzugehen. Denn ist es nicht so, dass man mit der Zeit wächst und dazu lernt, und stärker aus schwierigen Situationen hervorgeht?

Natürlich ist das kein Patentrezept. Denn jede Sternenmama geht Ihren eigenen steinigen Weg. Dennoch hoffe ich das mein Beitrag ein bisschen zum nach- und umdenken anregt und vielleicht auch etwas Mut spendet.

schriftzug mary

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7 Kommentare zu „Und, das wievielte Kind ist es?

  1. Hallo meine Liebe. Danke für den tollen Beitrag! Wir haben es auch nie an die grosse Glocke gehängt, dass wir vor unserem Mr. J drei Fehlgeburten hatten, nur der engste Freundes Kreis und die Familie wusste es. Ich habe oft die Frage gehört: und…ist es euer erstes Kind? Am Anfang habe ich immer bejaht, auch um dem ganzen Gefühlschaos und der womöglich unangenehmen Reaktion des Gegenübers aus dem Weg zu gehen. Ich fühlte mich nie wohl mit meiner Antwort…irgendwann bin ich umgeschwenkt und habe gesagt: ja, das ist unser erstes Kind, ich habe aber drei Sternenkinder unter dem Herzen tragen dürfen, die einfach keine Chance auf ein irdisches Leben hatten. Die Reaktionen waren tatsächlich vielfältig. Mitfühlend, peinlich berührt, „wahrscheinlich waren die Kinder behindert“, es hat nicht sollen sein, wenigstens habt ihr jetzt Mr. J. Ach, einfach alle Reaktionen querbeet. Aber ich bin es meinen Sternenkindern einfach schuldig, sie eben nicht zu verschweigen. Schließlich habe ich jede Schwangerschaft genossen, ich hatte Hoffnung, habe Zukunftspläne gemacht. Und dann kam alles anders…

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    1. Hallo Julmum,

      auch ich habe lange über mein erstes Sternenkind geschwiegen. Ich verlor es in der 10 SSW und nicht einmal meine Eltern oder Schwiegereltern wussten davon. Wir haben es ihnen erst knapp 11 Monate später gesagt, als wir mit unserem zweiten Sternenkind schwanger waren. Auch wenn ich das zweite Kind in der 18 SSW verlor, und sicher viele denken, das wäre „schlimmer“(wobei ich sagen muss, dass es keine Rolle spielt wann man sein ungeborenes Baby verliert, es ist für jede Betroffene schlimm, egal zu welchem Zeitpunkt dies geschieht) muss ich sagen, dass dadurch, dass ich von Anfang an offen über meine stille Geburt geredet habe, ich den Tot unseres zweiten Kindes ganz anders verarbeitet habe, als bei dem ersten. Im nachhinein muss ich sagen, dass es falsch gewesen ist nicht darüber zu reden und nur zu schweigen. Nur leider macht man diese Erfahrung dann erst im Nachhinein.
      das genießen der Schwangerschaft und all die wunderbaren Momente die damit verbunden waren , das ist das was wir in unserem Herzen bewahren. Für andere waren sie nicht sichtbar, aber wir haben sie unter dem Herzen getragen. Dort wo sie für immer einen Platz haben

      Alles Liebe

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  2. Danke für diesen tollen Beitrag.
    Ich tu mir jedes Mal schwer, wenn ich gefragt werde wieviele Kinder ich habe. Ich mache es viel von meiner aktuellen Stimmung und von meinem Gegenüber abhängig wie ich antworte.
    Jede Zahl unter vier jagt mir jedoch im Nachhinein ein schlechtes Gewissen ein und ich denke mir dann immer, dass ich doch meine Kinder, wenn sie auch nicht bei uns sind, keineswegs verleugnen darf. Antworte ich mit vier folgt aber meist die Frage, wie alt denn die vier sind und dann stehe ich vor der großen Aufgabe zu sagen, dass drei davon nie eine Chance bekommen haben und die Reaktionen sind manchmal recht grausam, bis hin zu „also doch nur ein Kind“
    Ich würde manchmal gerne so locker damit umgehen wie meine Große. Wenn sie gefragt wird, ob sie Geschwister hat, antwortet sie mit einer beneidenswerten Überzeugung „Ja meinen Bruder Michael und noch zwei aber leider leben alle schon im Himmel“ Die Reaktionen ihr gegenüber waren zum Glück bis jetzt alle recht positiv, wenn auch teilweise zurückhaltend, aber Kindern gegenüber scheinen doch noch mehr Personen etwas Mitgefühl aufzubringen, als Erwachsenen.

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    1. Guten Morgen,

      Du solltest kein schlechtes Gewissen haben. Ich finde es eine gute Lösung, dass du es von der Situation und der eigenen Stimmung abhängig machst. Manchmal hat man so Tage, da kann man dann mit manchen Kommentaren nicht umgehen, ich verstehe es wenn man dann den einfachen Weg für einen wählt. Du trägst deine Kinder im Herzen und das ist doch das wichtigste.
      Ich finde es auch bewundernswert wie unkompliziert Kinder mit den für uns Erwachsenen schwierigen Situationen umgehen. Ich habe schon des Öfteren von ähnlichen Situationen gehört.
      Alles Liebe

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  3. So schön geschrieben – ich bin mir sicher, dass es dieses Mal gut gehen wird. Und nur dadurch, deine Beiträge zu lesen würde ich jetzt schon ganz anders mit einer solchen Situation umgehen, also wenn jemand mit mir darüber sprechen würde, auch, wenn ich bis jetzt nie damit zu tun hatte. Einfach die Tatsache, dass ich hier darüber gelesen habe, und dass es das erste Mal war, dass ich mit dem Thema konfrontiert wurde, hat dafür gesorgt, dass ich einfach weiß, dass es das gibt. Und dass man dem ganzen vielleicht offener begegnen sollte, als viele Menschen es eventuell tun. Ich hoffe, das klingt jetzt nicht total komisch oder so, ich finde es immer schwierig, Kommentare zu schreiben, weil im Internet ja doch vieles falsch verstanden werden kann…:)

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    1. Guten Morgen,

      Ich habe mich sehr über deinen Kommentar gefreut, weil es mir zeigt, dass meine Beiträge zum nachdenken anregen, auch bei nicht direkt Betroffenen. Das bestätigt mich darin, weiter über dieses Thema zu schreiben. Ich danke dir. Ich wünsche Dir einen guten Start in die Woche.
      Liebe Grüße
      Mary

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  4. Liebe Mary,

    wie wahr ist es, dass auch ich als nicht betroffener mir Gedanken mach „Was wäre wenn?“.
    Deine Einblicke in dein Leben und wie du damit offen umgehst, inspiriert, fasziniert und verwundert mich im positiven Sinne.
    Ich erlebe seit ein paar Jahren die erfeulichsten Nachrichten dass im Freundenkreis hier und dort ein Baby gesund und munter zur Welt gekommen ist. Ich freue mich immer so sehr, wie jedes Baby was da ist.
    Doch du zeigst mir wie es z. B. sein kann ein Sternenkind zu haben. Ich kannte es bis dahin überhaupt nicht und öffnet mir seelisch die Augen, darüber nach zu denken und sich auch damit auseinander zu setzen.

    Ich freue mich wirklich sehr für dich, dass du hier drin Stärke findest, Mut und Anhörung und dies weiter machst und deinen Weg erfolgreich meisterst.

    Von ganzen Herzen denke ich an dich und freue mich auf weitere Einträge von dir, deinem Ziehund und deinem Leben.

    Liebst

    Anonym aber Ehrlich. :o)

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